Confluence vs. Wiki

Kampf der Argumente

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Confluence vs. Wiki
Kann mir wer den revolutionären Vorteil des Übertools Confluence von Atlassian, gegenüber einem stinknormalen Wiki erklären?
Vorallem im Anbetracht der monatlichen Lizensgebühren von 300 € für Confluence.


Integration in den restlichen Stack von Atlassian (Jira, Bitbucket).


$Behoerde schreibt Dinge aus. 17 Firmen bewerben sich. 0 stinknormale Wiki-OSS-Projekte bewerben sich, weil Open-Source-Projekte sich nicht auf Ausschreibungen bewerben. Irgendeine Firma gewinnt die Ausschreibung. Fertig.

Nach Belieben kann man dann noch Korruption und getuerkte Ausschreibungsbedingungen, Vendor-Lock-In, “was nix kostet kann nix taugen” oder “dann haben wir niemanden zum Verklagen wenns kaputtgeht (was so gut wie nie passieren wuerde, aber nuja)” dazumischen.


Naja, das Argument zieht nicht so richtig. Natürlich bewirbt sich ein OSS-Projekt nirgends, da haben sie ja erstmal keinen direkten Nutzen von. Es kann aber durchaus ein Angebot von einer Firma kommen, die die geforderten Leistungen dann mit einer Open-Source-Lösung erbringt.

Ob sich das für diese Firma dann lohnt, hat sie vorher hoffentlich durchgerechnet. Wenn man zum Beispiel Support-Anfragen einfach an Atlassian durchreichen kann, können $300 pro Monat ganz schnell wieder drin sein. Außerdem ist da dann z.B. Hosting auch schon mit drin.

OSS-Lösungen bezahlt man oft mit Zeit anstatt Geld. Ob sich das individuell lohnt, muss jeder selber entscheiden.


Ok, die Jira Integration ist wirklich ein Punkt. Allerdings kostet das wahrscheinlich nochmal 300 €/Monat und dafür könnte man auch OTRS verwenden.

Was mich an der Sache halt am meisten stört ist, das man sich damit auch gleichzeitig eine Abhänigkeit mit einkauft. Also angeommen man nutzt über Jahre hinweg Confluence und hat dort wunderbare Dokus erstellt und ganz viel Wissen angesammelt. Plötzlich möchte die Firma Atlassian aber jetzt das dreifache der „Miete“ für ihre Software haben. Dann steht man vor der Wahl: Entweder alles Wissen transferieren (sehr Zeit- und Mann(Frau)aufwändig) oder zahlt die Wucherlizensen für Dinge die man eigentlich auch umsonst haben könnte.
Ich meine… Das Problem hat man ja selbst dann wenn man das ganz normale MS-Office nutzen möchte. Software wird ja auch nur noch „gemietet“. Die Hersteller haben bemerkt das man so viel mehr Geld verdienen kann und auch immer eine Abhängigkeit herstellen kann.

Meine Kollegen sind leider der Meinung Open-Source wäre generell scheisse (Firefox, KeePass, HeidiSQL, Notepadd++, Eclipse, putty und ThunderBird finden jedoch fleißig Verwendung). Wie begenet man solcher Sturköpfigkeit am besten?


Open-Source-Software deinstallieren mit Verweis auf “da haben wir keinen Support fuer” oder “Viruslizenz” oder “wir haben fuer Internet Explorer Geld bezahlt”.

Generell finde ich persoenlich, dass man wegen solcher Leute davon absehen sollte, Open-Source-Software fuer Windows zu bauen. Das filtert viele solche Leute einfach weg…

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Ein paar Euro Lizenzen geht bei Firmen im Grundrauschen unter. Das Geld fließt auch für Support. Wenn XY nicht geht und deswegen X Leute nicht arbeiten können, aber die Ramschklitsche, die das System eingeführt hat schon längst in der Insolvenz steckt, verliert man richtige Euros. Die Werkzeuge müssen laufen damit man sich aufs Kerngeschäft konzentrieren kann. Mühsam irgendwie irgendwelche Frickelscheiße zusammen zu stöpseln und am Laufen zu halten, wo am Markt kaum Leute im Notfall zur Verfügung stehen steht in keiner Relation zu etwaigen Ausfallrisiken. Wenn man mal den Uniorbit verlassen hat und in einer Firma Geld verdient werden muss, schärft sich der Blick aufs Wesentliche. Das hat auch nur bedingt was mit Open Source / Closed Source zu tun. Schau einfach mal was eine deutsche Entwicklerstunde kostet.


Ich kenne fuer beides Gegenbeispiele, wo die Lizenzkosten keineswegs im Grundrauschen untergehen sondern man lieber nochn paar Leute mit Dingen beschaeftigt, deren Automatisierung richtig viel Asche kosten wuerde fuer das Extra-Bit im Lizenzdongle. Und wo Dinge eben nicht laufen, aber wegen “mimimi, die Anwaltskosten” nix geklagt wird…

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Natürlich gibt es auch Gegenbeispiele, am Ende steht aber immer die Kosten-Nutzen-Rechnung. Diverse EDA-Software kostet auch 6-stellig pro Lizenz usw. Selbst innerhalb einer Firma kann das abteilungsweit differieren. Aber es hat schon seine Gründe warum diverse Dienste mittlerweile mehr über * as a Service vermarktet werden. Ja die Hersteller machen damit ihren Schnitt (siehe z.B. Adobe), aber wenn der Gegenwert stimmt, wird es angenommen. Manche Entwicklungen sind da aber auch durchaus bedenklich, siehe Amazon AWS, hustet das System einmal, ist gefühlt das halbe Internet off. Am Ende kann man nur hoffen, dass man fähige IT-Entscheider im Haus hat, die einschätzen können was man auslagern kann und was man besser im Haus behält uswusf.


“am Ende steht aber immer die Kosten-Nutzen-Rechnung” ← das wuerde ich auch mal gepflegt anzweifeln. “Cover your ass” durch Geldrauswerfen ala “no one ever got fired for buying IBM” ist keine sinnvolle unternehmerische Kosten-Nutzen-Rechnung sondern Inkompetenz und Feigheit der “Entscheider” zulasten der Firmenkasse.

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Bei solchen Leuten hast du schlechte Karten, da hast du typischerweise schon von Beginn an verloren. Das sind ja effektiv Glaubenskrieger, und diese Grunddisposition wird jeden sachlichen Vergleich im entspr. Einzelfall zunichte machen. Jede Software hat Fehler und Unzulänglichkeiten, nur bei OSS wird man es dann ja „gleich gewusst haben“, während man bei der gewohnten Software auch noch den letzten Bug nach jahrzehntelanger Konditionierung resigniert aber routiniert abnickt.

In die andere Richtung gibt es das natürlich genauso. Da wird halt nicht der Bullshit mit der „Kosten-Nutzen-Rechnung“ ausgepackt, sondern darauf verwiesen, dass man ja theoretisch im Vorteil ist, da man die Kontrolle über den Code hat, die man dann in der Praxis aber kaum ausübt, um Probleme zu lösen.

Pragmatisch betrachtet müsste man darüber sprechen, welche Funktionalitäten man benötigt, welche wichtig sind, und wie die Integration dieser funktioniert. OSS Wikis z.B. sind dem von Atlassian meilenweit voraus, aber eben nicht integriert. Und viele Wikifeatures wird man in diesem Kontext auch nie anfassen. Auf der anderen Seite sehe ich die integrierten Lösungen in Gitlab oder Gogs, die alles haben was ich brauche (ich selbst benutze Gogs und es war in kürzester Zeit eingerichtet) und eben (kosten-)frei sind. Aber an diesem Punkt werden deine ignoranten Kollegen schon gar nicht mehr zuhören. Hinter der Entscheidung, Confluence zu benutzen, weil es ja Geld kostet und damit gut sein muss, steckt schlußendlich ja eben genau der Wunsch, sich keine Gedanken machen zu müssen.


Du implizierst also das OpenSource Software im Vergleich zu proprietärer / kommerzieller Software mehr Bugs hat, das zu mehr Ausfällen führt und damit die Entwicklung weniger produktiv läuft. Seh ich das richtig?

Vielen Dank für diesen Satz. Ich glaube der verdient einen Platz in meinem Notizbuch :wink:


Nein, ich impliziere garnix und ich rede auch nur von dem Fall WENN mal ein Ausfall auftritt, nicht über deren Häufigkeit oder sonstwas. Das fängt schon bei IT-Adminaufgaben an: Leistet man sich eine Vollzeitkraft die solche Systeme betreut, wartet usw. (oder ein SLA mit einer Firma schließt) oder heuert man schnell auf Bedarf einen billigen Werkstudenten an, der einem das System irgendwie hinfrickelt und wenn er 4 Monate später weg ist und irgendwas hakt dann keiner nen Plan hat was zu tun ist. Das kann man beliebig weiterführen:

  • Root Server / Managed Server / Cloud?
  • TFS on-premises oder Visual Studio Online
  • C#/.NET Entwicklung auf MSBuild-Basis mit Visual Studio oder mit Eclipse
  • MS Office vs. LibreOffice
  • uswusf.

Für einiges habe ich im Beruf schon gute und schlechte Beispiele gesehen. Wobei die schlechten Beispiele meist auf „am falschen Ende gespart, dafür hinterher teurer“ reduzierbar sind (alternativ auch „das können wir selber besser / wir schreiben uns das Tool selbst“). Unabhängig ob OSS/CSS, interessant sind immer:

  • Anschaffungs / Lizenzkosten
  • Wartungskosten
  • Know-How Verfügbarkeit

Leider sind die Entscheider nur selten die, die wirklich Ahnung von den Problemen haben. In München zeigt sich das gerade beim LiMux-Projekt. Da gab es wohl einige IT-Probleme, die zeitgleich mit dem Linux-Umstieg aufgetreten sind. Die Anwender haben aber den Unterschied zwischen Betriebssystem und Anwendung nicht verstanden und “Linux” war schuld.
Dass auf der anderen Seite durch LiMux auch viele (teils für den Anwender unsichtbare) Probleme behoben wurden geht unter.

Jetzt scheint das Projekt gerade in dem Stadium zu sein, dass es funktioniert und zack entscheidet der Stadtrat einfach mal die Rückkehr zu Microsoft. Sollte das wirklich umgesetzt werden gingen alleine für den Rück-Umstieg und die Lizenzen zig Millionen drauf.


Ich denke Limux stellvertretend für Possen der Rubrik “wenn die Politik mitwurschtelt” wäre ein eigener Diskussionsfaden. Ebenso, wenn in größeren Firmen “Politik” gemacht wird.